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Cake day: October 24th, 2025

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  • Diese Wahrnehmung der Verbraucher ist für Carsten Brzeski, Chefvolkswirt bei der ING, plausibel. Die Aufmerksamkeit für Lebensmittelpreise sei wegen der Bedeutung im Alltag viel höher im Vergleich zu anderen Kosten. “Bei der gefühlten Inflationsrate spielt die Vergangenheit und die Entwicklung der letzten Jahre eine viel größere Rolle als die aktuell gemessene Inflationsrate”, so Finanzexperte Brzeski. Wenn vor allem die Preise für Lebensmittel über Jahre so stark gestiegen seien, dann bemerke der Verbraucher gar nicht, wenn jetzt in den vergangenen Monaten manche Preise sogar gesunken seien. “Die viel größere Rolle spielt der Anstieg in den vergangenen Jahren.”

    Ich merke halt, dass ich bestimmte Dinge halt einfach gar nicht mehr mache. Gerade im Bereich Gastro kann es ja sein, dass das Schnitzel in diesem einen Restaurant wieder etwas günstiger geworden ist. Ich werde das nicht mitbekommen, da ich dort nicht mehr hingehe, weil es zuvor zu teuer geworden ist.





  • Gegenfrage: Was sollen sie denn sonst sein? Es geht ja gerade darum, dass weniger CO2 ausgestoßen wird. Das geht halt auf zwei Möglichkeiten: Zum einen eine Verhaltensänderung und zum anderen technischer Fortschritt. Blöd gesagt: Dass die Leute halt nicht in die DomRep fliegen, um am Strand zu liegen und dass sie dann halt irgendwie eine klimafreundlichere Heizung einbauen statt den Braunkohleofen. Eigentlich naheliegend.

    Dann hast du aber halt einen haufen verzogener Kleinkinder, die auf die Barrikaden gehen, wenn sie aus Ostalgie nicht mehr mit Braunkohle heizen sollen, die darauf bestehen, dass es ein Grundrecht ist, 3x im Jahr zum Saufen nach Malle zu fliegen und den Verbrennermotor für UNESCO-Weltkulturerbe halten, weil Brumm Brumm. Die Solarzellen häßlich finden, Bürgerinitiativen gegen Windräder gründen und so weiter.

    Gefüttert wird diese Armee von geistigen Kleinkindern von miesen Ölbaronen, Ölscheichs, dem russischen Diktator und Völkermörder, den Trump-Finanziers, von Leuten, die Journalisten in ihrer Botschaft ermorden lassen, die einfach weiter Öl & Gas verkaufen wollen. Die haben Medien gekauft, haben ihre Social Media-Netzwerke und verbreiten dort die wildesten Schauermärchen.

    Wie willst du da das Ziel erreichen?


  • Ich hab mich sogar vor Jahren mal mit einem Kreisverkehrkünstler unterhalten und das ist echt interessant gewesen: Die Kunst ist da nicht komplett frei, sondern es gibt in vielen Bundesländern harte Regeln. Man muss nämlich immer damit rechnen, dass irgendein Held den Kreisverkehr übersieht und dann gegen das Kunstwerk fährt. Die Kommunen wollen es auch nicht groß in Stand halten oder pflegen müssen, weil das kostet. Es steht aber draußen im Wetter. Bestimmte Materialien verbieten sich, weil z.B. Statuen aus Kupfer sofort geklaut werden. Ach ja, zu teuer darf es auch nicht sein. Daher landest du recht schnell bei diesem scheußlichen Corten-Stahl.






  • Der verlinkte Beitrag macht sich darüber lustig, aber … das ist total sinnvoll? Wenn ich halt Kies in einer bestimmten Größe brauche oder halt Sand, dann will ich halt im normalen Geschäftsbetrieb den Krams einfach bestellen können und dann ist es halt total praktisch, wenn mein Lieferant mir Sand nach DIN-Norm verkauft und dann auf der Baustelle auch der entsprechend benötigte Sand ankommt und nicht irgendwas völlig anderes anliefert oder ich mich mit dem Sandwerk Müller in Hintertupfingen darüber streiten muss, ob sie Kies geliefert haben oder ob das schon Steine sind. Normen sind total praktisch, weil sie Kompatibilität herstellen!








  • Es ist traurig, wie kurzfristig das gedacht ist und wie bitter das wird. Das ist schon fast eine dieser trumpschen Sabotagen, die absichtlich gemacht werden, um alles zu zerstören. Wir wissen, dass ein niederschwelliger, frühzeitiger Zugang zu Psychotherapien wichtig ist. Das ist auch allen logisch: Der Glückspielsüchtige verzockt nicht so viel Geld. Der Depressive kommt vllt. wieder auf die Beine und verliert nicht seinen Job. Der Alkoholiker oder der Drogensüchtige kommt da vllt. auch raus bevor er völlig abstürzt. Die magersüchtige Jugendliche bekommt Hilfe bevor die schlimmen Gesundheitsschäden kicken. Menschen bekommen Zugang zu den benötigten Medikamenten, die ihnen helfen. Und so weiter und so fort.

    Das hier zu verhindernde Leid ist immens - und wir wissen auch, dass dies logischerweise auch volkswirtschaftlich Sinn macht. Es senkt sogar die Krankenkassenkosten im Allgemeinen und das wissen auch die Krankenkassen. Die Psychotherapie ist hier Prävention von etwas viel, viel schlimmeren - was halt jedem irgendwie auch klar sein soll. Wenn du einen Magersüchtigen nicht schnell behandelst, wirst du als Krankenkasse enorme Folgekosten tragen. Leitest du einen Alkoholiker schnell in Therapie, verhinderst du diverse Folgeerkrankungen. Und so weiter und so fort.




  • Im Kern ist das einer dieser Grundwidersprüche der EU: Wenn man freien Binnenhandel hat, aber eben keine einheitlichen Gesetze zu Arbeitsschutz, Mindestlohn, Datenschutz & Co, dann geht der Kapitalismus den Weg des höchsten Profits. Und natürlich kann man sich dann wundern, wieso unsere Regierungen dann akzeptieren, dass die deutsche Landwirtschaft einen strukturellen Nachteil hat gegenüber einem Land wie Spanien, wo dann Afrikaner ohne Aufenthaltserlaubnis für quasi nichts in der Landwirtschaft sklaven oder warum akzeptiert wird, dass ein Land wie Luxembourg massenhaft Firmensitze durch niedrige Unternehmenssteuern anzieht oder Irland die Daten von ganz Europa an die US-Techindustrie verticken darf oder ein Malta massiv davon profitieren kann, dass es im Rest von Europa mit Glückspiel die schlimmsten Verwüstungen anrichtet.

    Da hängt strukturell was schief und natürlich ist es für einen deutschen Erdbeerbauern kacke, wenn die Konkurrenz aus Spanien unter ganz anderen wirtschaftlichen Bedingungen produzieren kann. Es wäre aber Aufgabe der Politik dann klar zu sagen “Tja, wir wollen hier keine Erdbeerproduktion” oder “Ja, wir wollen Erdbeerproduktion, aber unter unseren Standards” und nicht ein “Senken wir die Standards halt ab” zu fordern



  • Was an dieser Stelle in schmunzelndem Einverständnis einfach ausgeplaudert wird, ist das extrem peinliche Geschäftsmodell des modernen Kolumnismus. Der Kolumnismus folgt einer Nachfrage, die sich gerne möglichst oft in süffigen Textchen ihre Ressentiments bestätigen lassen möchte. Martenstein, der sich in den letzten Jahren systematisch als Außenseiter des linksliberalen Mainstreams inszeniert hat, gibt hier ganz offen zu, dass er gerne über Themen schreibt, die beim Publikum ausgesprochen beliebt sind - vor allem offenbar bei Menschen, die in der Lage sind, mehrere tausend Euro für eine Schiffreise hinzublättern – you know, das einfache Volk, das sich vom Gendern der Elite abgestoßen fühlt… Die Tatsache, dass es unter „Zeit“-Leser:innen offenbar nichts Beliebteres gibt, als sich über das Gendern lustig zu machen, verweist auf den libidinösen Status dieses Ressentiments - die fast rauschhafte Freude an einer Verachtung, die sie sich mit den Fans von Mario Barth teilen. Diese Fans haben vielleicht nicht die 7000 Euro für eine Mekong-Flussreise parat, aber sicher die 35 Euro, die ein T-Shirt mit der Aufschrift „Ich gender nicht, ich habe einen Schulabschluss“ aus dem Barth-Fanshop kostet. Hier trifft Martensteins gediegener Anti-Intellektualismus (alle Menschen, die gendern, behauptet er im Interview, seien Journalisten, an der Uni oder in NGOs) auf die prollige Bildungsbeflissenheit eines Mario Barth („Ich habe einen Schulabschluss“). Es handelt sich um einen fast rührenden klassenübergreifenden Konsens, der sich im gemeinsamen befreiten Wiehern über die Absurdität der modernen Gesellschaft Bahn bricht.