• luciferofastora@feddit.org
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    2 days ago

    Weiß nicht genau, ob du das ernst meinst,

    Das war als versuchter Humor überzogen formuliert. Für Menschen mit akutem Migräneanfall (oder zumindest für die, die ich kenne) sind Licht oder Störgeräusche teilweise extrem unangenehm, und wenn Stimmung und Geduld eh schon von den enormen Schmerzen strapaziert sind, verleitet das zu einem gewissen Jähzorn. Dieses Phänomen wollte ich parodieren.

    aber nur weil manche Menschen unter Migräne leiden eine Vorschrift für alle Wohnungen zu haben, dass die komplette Wohnung komplett verdunkelt werden kann, finde ich jetzt schon ziemlichen Quatsch

    Es wird ja auch nicht jede Wohnung rollstuhlgerecht gebaut.

    Ich glaube, da haben wir eine ideologische Differenz: ich fände es richtig und sinnvoll, wenn alle Wohnungen rollstuhlgerecht gebaut würden. Natürlich gibt es aber immer eine Diskrepanz zwischen dem Idealismus und dem pragmatischen Kompromiss mit der Realität.

    Eine Vorschrift für alle bräuchte vermutlich eine ganze Latte an Ausnahmen, was dann denn Sinn einer Vorschrift für alle untergraben würde und dem Hausbau letztlich nur noch mehr Bürokratie in den Weg stellen würde wenn jeder erst ermitteln will, ob er das wirklich muss.

    Erstens können die Betroffenen dann ja bei der Wohnungswahl auf diese Aspekte besonders achten

    Wer den Luxus der Wahl hat, ja, wobei z.B. die (mangelnde) Schalldichte des Hauses auch nicht immer sofort ersichtlich ist, und gerade solche Dinge wie ein Hund, der nachts Terror schiebt, merkt man tagsüber bei Besichtigungen nicht.

    Wer den Luxus nicht hat, z.B. aufgrund schmaler Budgets oder weil es nichts passendes in Reichweite gibt, hat dann halt Pech und darf leiden. Das finde ich nicht unbedingt fair.

    zweitens kann man das auch ohne Rolläden relativ leicht von innen nachrüsten durch lichtdichte Vorhänge, Rollos etc.

    Leider auch nicht immer. Bei unserer letzten Wohnung waren die Fenster z.B. so abgeschrägt konstruiert, dass keine Klemmlösung für Rollos oder Gardinen gehalten hat. Vorhänge war es schwierig, welche in passender Größe für bezahlbare Preise zu finden.

    Aber ja, das wäre dann ein Kompromiss zwischen Ideal und Realität: Wo keine Rolläden sind, muss es möglich sein, selbst für Verdunkelung zu sorgen.


    Grundsätzlich finde ich aber, Rolläden sind eine gute Idee.

    Am Beispiel von Barrierefreiheit: Wir verbauen Rampen an öffentlichen Gebäuden, nicht weil alle oder auch nur viele sie brauchen, sondern obwohl es nur wenige sind, die sie brauchen, damit alle einen Zugang haben. Für diejenigen, die es nicht brauchen, bringt es keinen Nachteil, aber für die, die es brauchen, ist es eben… naja, eine Barriere weniger um an der Gesellschaft teilzuhaben.

    Im gleichen Gedanken halte ich die universelle Verfügbarkeit von Abdunklung auch unterm Strich für einen Gewinn: Wer sie nicht braucht und keine Verwendung dafür hat, lässt sie halt oben. Wer sie nicht braucht kann vielleicht trotzdem Nutzen daraus schlagen. Wer sie braucht, dem wird aber was fehlen wenn sie nicht vorhanden sind.

    • rbn@sopuli.xyz
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      1 day ago

      Ich denke, die Wünsche, die Menschen in Bezug auf ihren Wohnraum haben, sind ziemlich individuell. Sehr große Menschen möchten höhere Decken und Türen, sehr kleine Menschen brauchen diese Höhe nicht. Für rollstuhlgerechtes Wohnen braucht es sehr breite Türen, Flure, Fahrstühle, besondere Rettungswege etc., was zu viel zusätzlicher Fläche führt. Manche bevorzugen eine Dusche, manche eine Badewanne.

      Wenn man jede Wohnung so bauen möchte, dass sie allen Eventualitäten und Wünschen gerecht wird, führt das zu einer extremen Verteuerung der Preise für Wohnraum.

      Und ich denke der Wunsch nach bezahlbarem Wohnraum dürfte so ziemlich der sein, den die allermeisten Menschen gemeinsam haben.

      Aus meiner Sicht ist es also durchaus der richtige Weg, wenn man ein Stück weit davon abrückt, jede Eventualität beim Bauen als Norm vorzuschreiben. Zumindest für die Dinge, die man (ggf. mit Kompromissen) nachrüsten kann.

      • luciferofastora@feddit.org
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        1 day ago

        Wenn man jede Wohnung so bauen möchte, dass sie allen Eventualitäten und Wünschen gerecht wird, führt das zu einer extremen Verteuerung der Preise für Wohnraum.

        Und ich denke der Wunsch nach bezahlbarem Wohnraum dürfte so ziemlich der sein, den die allermeisten Menschen gemeinsam haben.

        Da hast du absolut Recht. Das ist der Punkt wo mein Ideal (passt für alle) auf die Realität trifft (zu teuer) und nachgeben muss.

        Ich neige dazu, das Ideal zu verfechten, da die Realität und allgemeine Trägheit gegenüber Änderungen ohnehin dagegenhalten, und ich lieber versuche was zu verbessern und einsehen wo es nicht geht, als es gar nicht erst zu versuchen. Da finde ich solche Diskussionen wertvoll, um eben diese Konflikte aufzuzeigen und meine Grundhaltung durch kritische Betrachtung zu einer Synthese zu verfeinern.

        Aus meiner Sicht ist es also durchaus der richtige Weg, wenn man ein Stück weit davon abrückt, jede Eventualität beim Bauen als Norm vorzuschreiben. Zumindest für die Dinge, die man (ggf. mit Kompromissen) nachrüsten kann.

        Zumindest der aktuell sinnvolle, aber das ist letztlich Wortklauberei. Richtig fände ich, wenn bauen schon gar nicht so teuer wäre, aber wir sind zumindest über die politische Realität einig.

        Danke für das Gespräch :-)