In der öffentlichen Diskussion geht es bei Gerechtigkeitsfragen eher wenig um die soziale Frage, sondern es dominieren die Kategorien „Race“ und „Gender“, obwohl sozioökonomische Ungleichheit das offensichtlicheste Gerechtigkeitsproblem darstellt. Der Grund: Es sind hauptsächlich Akademiker, die diese Debatte in den Medien, der Forschung, an Universitäten und in der Politik führen. Akademiker bilden die homogenste moralische Echokammer in Deutschland. Sie neigen am stärksten zu affektiver Polarisierung, identitätsschützenden Denkfehlern und moralischem Absolutismus. Tatsächlich sind Gerechtigkeitsdebatten oft verdeckte Status- und Zugehörigkeitskämpfe, in denen es mehr um Selbstdarstellung als um Problemlösung geht. Nur eine radikale Selbstkritik kann aus diesem Moralspektakel herausführen.

  • chux@feddit.org
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    3 days ago

    Akademiker ist schon eine sehr breite Kategorie. Ein Bachelor of Arts ist genauso Akademiker wie ein Bachelor of Science ebenso ist ein Prof. genauso ein Akademiker wie eben ein Bachelor. Eine verallgemeinerte Aussage finde ich da sehr riskant, vorallem da der die einzige Gemeinsamtkeit eine mindest Bildung ist. Ich kann aus Erfahrung auch sagen, dass unterschiedliche Richtungen, zum Beispiel Arts und Science sehr verschieden sind, auch politisch zumindest in der Angehensweise. Also wenn man so weit veralgemeinert seh ich die Homogenität nicht. Innerhalb bestimmter Richtungen kann es durchaus zu Gemeinsamkeiten kommen, dass ist relative normal. Ich kann mir schon vorstellen, dass Akademiker eine etwas gefestigtere Meinung haben können, dies kann jedoch auch im positiven Sinne sein, das heißt, dass sie nicht so anfällig für, zum Beispiel, populistische Einflussnahme sind. Meiner Sicht nach lernt man unter anderem an der Uni, dass man zwar einerseits viel aus Diskussionen lernen kann, diese für Anregungen und neue Perspektiven notwendig sind jedoch auch im privaten Verdaut werden müssen, das macht die Meinungsbildunge oder besser eine Meinungsumorientierung vielleicht etwas träger.

    Ich glaube ehrlich gesagt auch, dass hier vor allem ein natürlicher Bias vorliegt. Es sind halt auch generell hauptsächlich Akademiker die in solchen Debatten gefragt werden. Natürlich sind es auch Akademiker die diese Fragen in der Forschung behandeln. An Universitäten trifft man halt Akademiker an. Und auch Politiker sind überdurchschnittlich oft Akademiker auch wenn dass eine ganz andere Klasse von Akademikern ist im Vergleich zu denen die man an der Uni antrifft.

    Ein gewisses Bewusstsein dafür, dass man sich natürlich in bestimmen Umfeldern bevorzugt bewegt bzw. aus entsprechen Gründen befindet und eine damit einhergehende Perspektive und Berührung die eigen Meinung entsprechend prägen kann sollte natürlich im allgemeinen immer da sein.

    • Limerance@piefed.socialOP
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      3 days ago

      Es geht beim Begriff Akademiker hier um ein bestimmtes Milieu und deren Habitus. Diese gesellschaftliche Elite ist tonangebend in Medien, politischem Diskurs, Kultur und Gesellschaft.

      BWLer und Ingenieure mit Bachelor sind da nicht zentral.

      Es gibt bei dem Thema auch Überschneidungen mit den Handwerkern, die Rechts wählen statt SPD. Die „Altparteien” und „linksgrün-versiffte” Elite werden als weltfremd und ideologisch wahrgenommen. Wagenknechts These von der Lifestyle Linken und traditionellen Linken hat ähnliche Thesen.

      Akademiker stellen in vielen Bereichen, insbesondere staatsnahen, die Elite und Führung. Der Aufstieg der AfD und die gesellschaftliche Spaltung sind auch Folge ihres Versagens über Jahrzehnte.

      • chux@feddit.org
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        3 days ago

        Deswegen sehe ich diese Formulierung / Verallgemeinerung kritisch. Es geht eben nicht um Akademiker sondern um die gesellschaftliche Elite. Warum bennent man diese nicht so?

        Ich habe generell ein großes Problem mit der, durchaus nicht seltenen, Gleichsetzung dieser Begriffe im Sprachgebrauch. Die Elite sichert sich im allgemeinen immer eine höhere Bildung, daher sind die Eliten auch tendenziell öfter Akademiker. Es handelt sich hier aber in der regel nicht um eine Kausalität, d.h. die Eliten sind Eliten weil sie Akademiker sind (das wäre durchaus wünschenswerter), sondern eher um eine Korrelation. Akademiker sind im allgemeinem keine Eliten, die Gleichsetzung im Sprachgebrauch ist also unpassend. Desweitern, untergräbt diese Gleichdtellung die Stellung von Bildung, Forschung, Wissenschaft und Experten in Politik und Gesellschaft. Ich glaube das eben diese Gleichsetzung durchaus eine Rolle spielt wenn es dazu kommt das Menschen “Wissenschafts kritisch” sind (siehe Impfungen, Klimawandel etc).